Das "Bodewerk" mit der Rappbodetalsperre

Erste Planungen zum Bau von Talsperren im Bereich des Bodelaufes gehen bis in das Jahr 1891 zurück. Nach den damaligen Vorstellungen hätte die, zur Energiegewinnung gebaute Talsperre, eine 150 Meter hohe Bogenmauer und ein Fassungsvermögen von 150 Millionen Kubikmeter Wasser besessen. Der kurz vor Thale gelegene Standort hätte die Orte Treseburg und Altenbrak sowie das dort liegende bezaubernde Bodetal völlig überschwemmt. Berechtigte Sicherheitsfragen ließen dieses Projekt jedoch scheitern. Bereits sieben Jahre später wurde ein neues Projekt vorgelegt, welches beabsichtigte insgesamt 4 Talsperren zu errichten. Hierbei wurden auch erstmals Überlegungen zum Hochwasserschutz berücksichtigt.

Nach zwischenzeitlich vielen Veränderungen, wurde 1936 ein Projekt erarbeitet, welches sich aus diesen vielen Vorschlägen zusammensetzte und eine wasserwirtschaftliche Mehrzweckanlage beinhaltete. 1938 wurde dieses Projekt durch das Reichsverkehrsministerium bestätigt.

Von 1938 bis 1942 erfolgten die Vorarbeiten, der Aufbau der Bauarbeitersiedlung, der Aushub der Talsohle, Abdichtungsarbeiten im Baugrund und der notwendige Umgehungsstollen für den Grundablass. Der Krieg zwang im Mai 1942 zur Einstellung der Bauarbeiten an der Rappbodetalsperre. Nach 1945 wurden die Arbeiten am Plan zur Durchführung des Bodewerkes wieder aufgenommen. 1952 erfolgte die Grundsteinlegung und am 7. Oktober 1959 die offizielle Übergabe. Kernstück des Talsperrensystems ist die Rappbodetalsperre sie ist mit einer Höhe von 106 m die größte deutsche Gewichtsstaumauer . Vom Höhlenort Rübeland sind es 5 km bis zur Talsperre. Vor dem Straßentunnel befindet sich auf der linken Seite ein Großparkplatz mit Aussichtsplattform. So sehr die Bode durch den Menschen benötigt und benutzt wurde, so sehr war sie auch gefürchtet. Das letzte große Hochwasser erlebte das Bodetal zur Jahreswende 1925/1926. Nachdem bis kurz vor Weihnachten überdurchschnittlich viel Schnee gefallen war, begann es am 29. und 30. Dezember durch Warmluft und starken Niederschlägen extrem zu tauen, es fielen im Gebiet des Brockens an diesen Tagen bis zu 74 Liter Regen pro Quadratmeter Bodenfläche.

Seine wohl härteste Bewährungsprobe seit der Inbetriebnahme hatte das Talsperrensystem im April 1994 zu bestehen. Seit der Jahreswende gab es überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Die Talsperren füllten sich immer mehr. Um den nahenden Vollstau auszuweichen und um die notwendigen Hochwasserschutzräume freizuhalten, wurde an den Sperren kontinuierlich Wasser abgeleitet. Dann kamen jedoch die Regegüsse des 12. und 13. April. Am 13. April ist bei der Wendefurther Talsperre der Vollstau erreicht. Zum zweiten Mal seit ihrem Bestehen droht die Talsperre den Wassermassen nicht mehr Paroli bieten zu können und überzulaufen. Bald darauf stürzen 110 Kubikmeter Wasser je Sekunde die fünf Überläufe hinunter. Alle Talsperren des Bodewerkes haben ebenfalls ihr maximales Fassungsvermögen erreicht und laufen über. Die Folgeschäden entlang der Bode sind groß, doch welches Unheil wäre geschehen, gebe es dieses imposante Bodewerk nicht?